111 Lieblingsrezepte: So lecker schmeckten uns die DDR-Küchenhits

Soljanka oder Schichtkohl, Wurstgulasch oder Würzfleisch - nicht wenige ehemalige DDR-Küchenhits haben die Jahre schadlos überdauert und zählen bei vielen von uns nach wie vor zu den Leibgerichten. Auch wenn manche Speisen heute anders heißen. Eines darf in diesem Blog natürlich nicht fehlen: Kalter Hund. 

Viele DDR-Küchenhits sind noch in aller Munde

Wenn Sie noch wissen, dass ein Nicki nichts anderes ist als ein T-Shirt, der Goldbroiler für ein gebrutzeltes Hähnchen steht und Würzfleisch für Ragout fin, dann haben Sie vermutlich eine gewisse DDR-Sozialisation genossen. Viele Dinge hießen zu Ostzeiten einfach anders: der Supermarkt war eine Kaufhalle, die Biotonne nannte man Speckitonne und für cool, mega, geil benutzten Jugendliche seinerzeit kurz und konsequent das Wörtchen urst.

 

Noch mehr Lieblingsrezepte der Nordkurier-Leser finden Sie in unserem Blogeintrag: Kochkunst mit der Lizenz zum Gelingen

 

Zurück zum Kochen und Backen: Auch wenn sich in den vergangenen drei Jahrzehnten so manche Bezeichnung und Zutat verändert hat, so sind doch zahlreiche DDR-Küchenhits nach wie vor in aller Munde. Und das aus gutem Grund, wie die langjährige Nordkurier-Redakteurin Rita Hidde bestätigen kann.

"Manchem zaubern diese Gerichte den Geschmack von Kindheits- und Jugendtagen auf die Zunge. Solche kulinarischen Erinnerungen an die Küche von Mutter und Großmutter in unterschiedlichen Zeiten haben wohl die meisten Menschen", sagt die Neubrandenburger Journalistin, die im Jahre 2003 mit den Leserrezepten die bis heute erfolgreichste Magazin-Reihe der Tageszeitung Nordkurier ins Leben gerufen hatte.

Rezepte abdrucken war zu DDR-Zeiten nicht ohne Risiko

Im Sommer 2021 erschien mit "Die besten Hackfleisch-Hits unserer Leser" bereits die 36. Ausgabe der Rezepte-Hefte, und Rita Hidde war erneut mit von der Partie. Zudem ist sie Autorin der "111 Lieblingsrezepte", von denen bereits drei Bücher bei mecklenbook erschienen sind. In der Ausgabe "111 Lieblings-Rezepte aus unserer Kindheit" sind sie zahlreich vertreten, Kochanleitungen für kulinarische Klassiker made in GDR - eben das, was seinerzeit zwischen Kap Arkona und dem Zittauer Gebirge auf den Tellern landete.

Würzfleisch zählt zu den DDR-Küchenhits

Würzfleisch hieß dieses leckere Gericht zu DDR-Zeiten, besser bekannt ist es in der französischen Küche als Ragout fin. Während die Franzosen klassisch Kalbsfleisch verwenden, wurden zu DDR-Zeiten alle möglichen Fleischsorten reingerührt – von Kaninchen, Geflügel bis hin zu Nutria. Foto: Ecki Raff

  

"Ein Koch- oder Backrezept in der Zeitung abzudrucken, war zu DDR-Zeiten nicht ohne Risiko", erinnert sich die Genuss-Expertin des Nordkurier. "Es konnte leicht passieren, dass sich empörte Leser anschließend beschwerten, weil es die eine oder andere Zutat nicht oder nur sehr selten zu kaufen gab und das Nachkochen oder Nachbacken deshalb nicht gelang." Hidde sieht darin einen Grund dafür, dass zu DDR-Zeiten viele spezielle Rezepte entstanden. "Gekocht wurde mit den Zutaten, die es im Laden gab, die vorrätig waren oder die man im eigenen Garten erntete", sagt die sympathische Autoin und fügt sofort an, dass die DDR-Küchenhits deshalb keineswegs einfallslos waren oder nicht geschmeckt hätten. 

Senfeier, Strammer Max, Tote Oma oder Fettbemme mit Gurke

Natürlich nicht, denn man kann es auch so sehen: Jägerschnitzel oder Strammer Max, Senfeier oder Tote Oma, Würzfleisch oder Fettbemme mit Gurken - das war schon alles sehr lecker (und ist es noch heute). Zudem hatten und haben diese Gerichte laut Rita Hidde vom Nordkurier einen besonderen Charme. "Denn die Hausfrauen oder auch Hobbyköche zeigten sich sehr erfinderisch am Herd und kreierten Gaumenkitzler, von denen einige zu echten Klassikern wurden, die auch heute noch sehr gefragt sind", erklärt die Journalistin.

DDR-Wurstgulasch wird heute noch gern gekocht, vor allem im Osten Deutschlands.

 Wurstgulasch war und ist ein typisches Arme-Leute-Essen; in den Gulasch kam alles, was wegmusste. Als Wurst verwendete man Brühwurst, also z. B. Jagdwurst oder - mit etwas mehr Fleisch - Bierschinken. Foto: © st-fotograf - stock.adobe.com

 

Dank des Ideenreichtums der Menschen in der ehemaligen DDR sowie reichlich Erfahrungen beim Kochen und Backen "kamen dennoch die leckersten Sachen auf den Tisch, auch wenn manches als 'Arme-Leute-Gericht' galt", erklärt Rita Hidde. In der Tat sind es oft eher schlichte Gerichte, die rückblickend zu den Lieblingsspeisen unserer Kindheit avancierten. 

Zwei überraschende Wahrheiten zu den Lieblingsrezepten

Nudeln mit Tomatensoße, Königsberger Klopse, Sächsische Quarkkeulchen und natürlich Kalter Hund, jene leckere Schokokekstorte - fragt man Gourmets oder gar Spitzenköche, so sind es meist die mit schönen Kindheitserinnerungen verknüpften Speisen, die privat noch immer gern gekocht und genossen werden. Dabei gibt es einen Haken. Wie der Penzliner Lebensmitteltechnologe und Koch Holger Gniffke vor ein paar Jahren gegenüber dem  Nordkurier bestätigte, können solche DDR-Küchenhits schlicht nicht mehr genau so schmecken wie früher, weil sich beispielsweise die Zusammenstellung der Zutaten über die Jahre verändert hat.

Kalter Hund ist eine bis heute beliebte Schokokekstorte.

 Kalter Hund ist eine bis heute beliebte Schokokekstorte - auch bekannt unter den Bezeichnungen Lukullus, Schichtschoki oder Kalte Schnauze. Foto: © arthurdent - stock.adobe.com, unser Aufmacherfoto (DDR-Fahne):  © cmfotoworks - stock.adobe.com

 

Aber seien wir ehrlich: Wer von uns weiß schon noch zu einhundert Prozent, wie Omas Eierschecke oder Mamas Rote Grütze tatsächlich geschmeckt haben? Was wir da heute gefühlt noch auf der Zunge haben und uns ab und mal schmecken lassen, sind oftmals ebenso schöne wie leckere Erinnerungen. Und das ist es doch am Ende, was wirklich zählt. 

Sirko Salka

 

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