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25588043 1115879441847793 8412482540500776589 oWitz statt Wehmut: Es war nicht alles schlecht

 

In der DDR gab es bekanntlich so manches nicht – aber der Humor ließ nicht zu wünschen übrig. Welch lustige und kreative Blüten die Mangelwirtschaft trieb, ist in einem Buch nachzulesen, das Mitte Dezember 2017 seine Premiere feierte.

 

Neubrandenburg. Kommen ein Journalist, ein Musiker und ein Karikaturist in eine Buchhandlung... Ja, wer hier eine Pointe wittert, liegt richtig. Doch bei der Premiere des neuen Buchs „Einfach total genial“ ging es nicht bloß um einen Lacher, sondern um viele – und um Erinnerungen. Nordkurier-Journalist Frank Wilhelm, Musiker Gerd Brummund und Karikaturist Andreas Meenke zogen alle Gag-Register.

 

Geschichten über "Goldstaub"

 

Und das um 20:15 Uhr - pünktlich nach Aktueller Kamera und Tagesschau, wie Buch-Autor Wilhelm bei seiner Begrüßung verschmitzt erklärte. Womit man schon beim Thema war: Anekdoten und Witze aus den Zeiten der Mangelwirtschaft, in denen Erfindergeist und Humor bekanntlich zum wenigen gehörten, an dem nicht gespart wurde. Geboten wurde Heiteres aus der DDR und ein gut gelauntes Herren-Trio, das zu Scherzen aufgelegt war. „Wenn‘s lustiger werden soll, darfst du nicht so viel reden“, so der liebevoll gemeinte Rat von Gerd Brummund an Frank Wilhelm. Deshalb startete der auch als Willi Freibier bekannte Unterhalter gleich selbst mit einer Erzählung aus seiner Zeit als Meister für Instandhaltung bei der Konsumgenossenschaft. Klinkersteine für einen Schornstein sollte er besorgen. Goldstaub, wie einige Zuschauer nickend bestätigten. Drei „konspirative Gespräche“, einen Nachschalldämpfer für den Trabant, einen Farbfernseher „Colorett“ und eine reparierte Tür später konnte Brummund seinen Schornstein reparieren.

 

Nicht weniger witzig wurde es mit Andreas Meenke. Wie beim Vorgängerbuch „Unsere besten Ostwitze“ sorgte er für die richtigen Karikaturen auf den Seiten. „Ich war zur Wende knapp 30 Jahre alt und habe deshalb viel von der DDR mitbekommen“, erklärt der Illustrator. „Meine Zeichnungen entstehen hauptsächlich aus Erlebniserzählungen im Familien- und Freundeskreis.“ Manchmal bedürfe es nur eines Wortes und die Tür zu einer Erinnerung werde geöffnet. Bis zur gezeichneten Pointe ist es dann nicht mehr weit.

 

Manche Basteleien noch heute in Gebrauch

 

Dass das nicht geschummelt ist, bewies er den Anwesenden: Unter gespannten Blicken entstand in kürzester Zeit „live“ eine Spitze gegen den Konsum. Doch dabei blieb es nicht. „Machst du einen Seitenhüpfer, dann nur echt im Konsumschlüpfer“, ergänzte Gerd Brummund das Konsum-Thema. Ja, auch die schlüpfrigen Gags wurden nicht ausgelassen und mit Gelächter quittiert.

 

Für mehr Bewunderung und Schenkelklopfer sorgten nur die vorgestellten Erfindungen „made in GDR“. So brachte eine Erzählung vom Bau eines Betonzauns, bei dem die einzelnen Steine in einer Eigenkonstruktion selbst gegossen wurden, im Publikum Erinnerungen an eigene Grundstücksbegrenzungen und Kreationen zum Vorschein. „Mein Mann hat 1975 aus einem Küchenbrett und einem Metallbügel einen Campingtisch gebaut“, erzählt Doris Fetersen: „Den nutzen meine Kinder heute noch.“ Zuschauer Joachim Stapel brachte eine seiner Erfindungen gleich mit zur Lesung: ein Gerät, um Nistkästen von den Bäumen zu heben. Der Ornithologe war es leid, bei der Überprüfung der Kästen eine schwere Holzleiter zu schleppen. Ein Scharnier, ein Haken, ein Aufsatz für einen Besenstil und dann brauchte es nur noch einen geschickten Schweißer und die Kästen ließen sich leicht herunternehmen.

 

Ja, es war nicht alles schlecht in der DDR, dieser Satz sorgte am Dienstag das eine oder andere Mal für Lacher. Und doch war definitiv nicht alles komisch, sagt Gerd Brummund nach der gefeierten Lesung, etlichen Autogrammwünschen und noch mehr Scherzen. „Aber man muss die Dinge mit Humor nehmen und einen gesunden Mittelweg finden, damit umzugehen. Wie immer im Leben.“

 

Frank Wilhelm: "Einfach total genial...", 200 Seiten, 14,90 Euro

 

Text und Foto: Anne Breitsprecher

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