1945. Zwischen Krieg und Frieden: "Für uns sind Frauen die Heldinnen dieser Zeit"

Zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges ist im Nordkurier-Buchverlag mecklenbook der fünfte Band der Reihe „1945. Zwischen Krieg und Frieden“ erschienen. Mit den beiden verantwortlichen Redakteuren Birigit Langkabel und Frank Wilhelm sprach Sirko Salka.

Die fünfte Fortsetzung in einer Filmreihe ist oft ein Schatten ihrer ersten Teile. Warum ist das in Band 5 von „1945. Zwischen Krieg und Frieden“ anders?

Birgit Langkabel: Wir finden den fünften Teil unserer Lesergeschichten zum Kriegsende genauso beeindruckend und lesenswert wie seine Vorgänger. Darin enthalten sind auch ein paar neue Farben. So veröffentlichen wir erstmals eine Geschichte aus der Perspektive einer Adelsfamilie. Irmgard Freifrau von Maltzahn hat mit ihren Kindern den Einmarsch der Roten Armee auf ihrem Gut Vanselow bei Demmin hautnah miterlebt – zu einer Zeit, als die meisten Adligen längst geflohen waren.

Zudem überrascht der Band mit dem Erlebnisbericht einer Russin, die als Mädchen von der Wehrmacht aus ihrer Heimat verschleppt wurde. Wie kommt man an so einen Text?

Frank Wilhelm ist Herausgeber der Buchreihe 1945. Zwischen Krieg und FriedenFrank Wilhelm: Es handelt sich um Lidja Bolnokina, die 1942 als erst dreizehnjähriges Mädchen nach Deutschland zur Zwangsarbeit verschleppt wurde und zuletzt in der Neubrandenburger Außenstelle des KZ Ravensbrück arbeitete. Es gibt viele Kontakte zu vielen Archiven und Historikern. In diesem Fall half uns das Stadtarchiv Neubrandenburg, namentlich Eleonore Wolf. Sie hatte vor einigen Jahren Zeitzeugen aus dem KZ aufgerufen, Erinnerungen niederzuschreiben. Lidja Bolnokina war eine der Frauen, die reagiert haben. Uns ist es immer auch wichtig zu zeigen, wie der Zweite Weltkrieg begann und welches Leid andere Völker erfahren haben.

Die Lesergeschichten beschönigen nichts. Inwiefern sind bei den Zeitzeugen sowohl Verbitterung als auch Versöhnung zu spüren?

Frank Wilhelm: Vermutlich hier und da beides. Natürlich klingt oft noch der Hass durch, gerade mit Blick auf viele Untaten, die beim Einmarsch von der Roten Armee begangen worden sind. Wenn man an die Plünderungen und Vergewaltigungen denkt, an die Massenselbstmorde von Demmin, ist das nicht verwunderlich. Aber längst nicht alle sowjetischen Soldaten haben sich so verhalten, was auch in vielen Geschichten erzählt wird. Die Ambivalenz wird deutlich, und diese differenzierte Reflexion unserer Leser kann man nicht genug würdigen.

Birgit Langkabel: Die Massensuizide sind meines Erachtens nicht allein durch die Untaten der Roten Armee verursacht worden. Die Menschen waren beeinflusst durch die Nazi-Propaganda, wonach die Russen Untermenschen seien. Hinzu kamen die Angst vor dem Zusammenbruch und die Sorgen um die Zukunft.

Frauen aus verschiedenen Ländern im ehemaligen Kriegsgefangenenlager Fünfeichen

Für viele Deutsche war das Kriegsende der Zusammenbruch. Für diese Zwangsarbeiterinnen war es die Befreiung. Frauen aus verschiedenen Ländern im ehemaligen Kriegsgefangenenlager Fünfeichen, das ab Mai 1945 als Sammellager für ehemalige Gefangene, Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge genutzt wurde, ehe diese zurück in ihre Heimat reisten.  Foto: Jaroslav Skliba, Staatsarchiv Prag

 

Der Zweite Weltkrieg wurde in allen möglichen Facetten beschrieben. Wie ordnet sich hier die Buchreihe „1945“ ein?

Birgit Langkabel ist Herausgeberin der Buchreihe "1945. Zwischen Krieg und Frieden"Frank Wilhelm: Uns geht es nicht um die großen Schlachten des Krieges. Die Geschichten beschreiben den Alltag der Menschen in einer wirklichen Krise, all die Emotionen, Ängste, Sorgen, Nöte in den letzten Wochen vor und nach dem Kriegsende, das Elend der Vertreibung. Daneben gab es die Dinge des Alltags: Was haben die Menschen gegessen? Welche Spiele haben die Kinder gespielt? Wie überstanden sie die Krankheiten, beispielsweise den seinerzeit grassierenden Typhus?

Birgit Langkabel: Seinerzeit waren es die Frauen, die das Heft des Handelns in der Hand hatten. Ihre Männer waren im Krieg, gefangen oder gefallen. Also mussten die Frauen das Leben am Laufen halten. Nicht zuletzt haben sie auch die Last der Flucht auf ihren Schultern getragen. Für uns sind die Frauen die Heldinnen dieser Zeit.

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