Moskauer Tagebuch widmet sich dem Alltag, Stolz und den Sorgen der Russen

Zwischen den Hauptstädten Berlin und Moskau liegen circa 1800 Kilometer. Zu viel Abstand für ein echtes Verständnis und ehrliches Verhältnis? In seinem Moskauer Tagebuch "Meinst du, die Russen wollen" bemüht sich Carsten Gansel um Aufklärung. Vorurteilen setzt er spannende Erfahrungen und Erlebnisse im Hier und Jetzt entgegen. Zudem wirft der Autor einen Blick in die Vergangenheit dieser beeindruckenden Nation und berichtet über seine zahlreichen Begegnungen mit Moskauerinnen und Moskauern. 

Russland-Kenner Carsten Gansel hielt sich mehere Wochen in Moskau auf

Die deutsch-russischen Beziehungen schaffen es immer wieder in die Schlagzeilen der nationalen und internationalen Presse. Dabei verdienen diese Beziehungen mehr als nur Schlagzeilen. Vor allem verdienen sie Objektivität, die auf einer tiefen Sachkenntnis beruht. Prof. Dr. Carsten Gansel besitzt genau diese, denn er bezieht sein Wissen und die daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen nicht aus Zweit- oder Drittquellen.

Gansel hat Russland oft bereist – aus beruflichen Gründen.Und im Ergebnis einer dieser Reisen ist sein Buch „Meinst Du, die Russen wollen…?“ entstanden. Ergänzt durch die Zeile: Ein Moskauer Tagebuch. Erschienen ist das Buch im Verlag „mecklenbook“ der Nordkurier Mediengruppe. Es umfasst 336 Seiten, die von einem Flexcover zusammengehalten werden.

In den Jahren 2017/2018 hielt sich Gansel über mehrere Wochen hinweg in der russischen Hauptstadt Moskau auf. Eine Zeit, in der sich der Autor mit Menschen aus den unterschiedlichsten Berufen und sozialen Schichten Russlands unterhalten konnte; eine Zeit, in der er den Alltag dieser Menschen, die Kultur in ihren verschiedensten Facetten kennenlernte und immer wieder mit diesen Menschen ins Gespräch gekommen ist: über ihren Alltag, ihre kleinen und großen Probleme, mit Intellektuellen gesprochen hat über Themen wie Pressefreiheit, das Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine, die Beziehungen Russlands zum Westen, zu Deutschland und natürlich wurde gesprochen über Putin und seine Rolle in diesem Land.

Mit seinem Tagesbuch beleuchtet Gansel das Alltagsleben in Moskau und schafft Bezüge zur Weltpolitik

Herausgekommen ist ein Buch, das sehr exakt die Geschehnisse seines Aufenthaltes zusammenfasst – Tag für Tag zwischen dem 2. November und dem 10. Dezember des Jahres 2017. Gansel erweist sich in diesen Tagebuchnotizen als ein genauer Beobachter des Moskauer Alltags. Immer wieder gelingt es ihm, im Kleinen auch Bezüge zur Weltpolitik herzustellen.

Der Vorzug dabei: Der Autor lässt sich nicht von stereotypen Vorurteilen internationeler Schlagzeilen nach dem Muster: Der Westen ist gut! Russland ist schlecht! leiten. – Daraus erwächst für die Leserin oder den Leser dieses Buches die Erkenntnis: Hier ist ein der Objektivität verpflicheter Autor am Werk, der schnörkellos schreibt, genau beobachtet und sein umfangreiches Wissen über deutsche und russische/sowjetische Literatur en passant, aber stets punktgenau einfließen lässt.Wer dieses Buch liest, erhält eine sehr gute Grundlage, sich eine eigene Meinung über Russland, die deutsch-russischen Beziehungen zu bilden. Ergänzt oder besser: vervollkommnet wird das Buch, das mit seinem Titel Jewgeni Jewtuschenks Poem „Meinst Du, die Russen wollen Krieg?“ aus dem Jahr 1961 aufgreift, durch ein Interview.

Russland-Experte Carsten Gansel beschreibt in seinem Buch das Alltagsleben in RusslandDas Interview mit Frank Wilhelm ermöglicht Vertiefung des Themas

Gansel beantwortet Fragen eines Nordkurier-Redakteurs. In dem Gespräch wird vieles von dem, was der Autor in seinem Tagebuch anreißt, durch ihn vertieft, erweitert und mit Wertungen  versehen. – Eine kluge Entscheidung des Verlags, diese Kombination den Lesern anzubieten.

Mein Credo: Sehr empfehlenswert, denn das Buch bewahrt vor dem Verfallen in voreilige Bewertungen der deutsch-russischen Beziehungen durch das Aufgreifen von Stereotypen. 

Eckhard Behr

 

 

Russland-Kenner Carsten Gansel. Foto: Nordkurier-Archiv

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