"Witwer Luwi und die Frauen" - Schriftsteller Siegfried Noack im Interview

Vom Schreiben muss man nicht satt werden, wohl aber zufrieden und ausgefülltFür diese Erkenntnis braucht man Jahrzehnte; ich zumindest.“ – Dieses Resümee seines schriftstellerischen Lebens zieht Siegfried Noack (89) am Ende seines Buches „Witwer Luwi und die Frauen“.  

Es ist ein Buch, in dem der Autor seinem Grundsatz treu geblieben ist, nur darüber zu schreiben, wovon er auch Ahnung hat. Und vom Leben der älteren Generation in sozialen Einrichtungen wie Alters- oder Pflegeheimen, aber auch in Seniorenresidenzen hat Siegfried Noack sehr viel Ahnung. Denn an all‘ diesen Orten hat er Lesungen gehalten und sich natürlich auch immer Notizen gemacht. Herausgekommen ist eine Sammlung von Episoden, die die Hauptfigur Ludwig Reimann erlebt.

Auch im fortgeschrittene Alter genießt Witwer Luwi das Leben

Denn als neuer Mieter in einer Seniorenresidenz hat er nicht vor, sich aus dem Leben zurückzuziehen. Er schließt Bekanntschaften mit den Damen des Hauses, vor allem mit Siglinde Rosa, repariert Wasserhähne, beteiligt sich am Seniorensport und -reisen und genießt auch im fortgeschrittenen Alter das Leben, getrau dem Motto: „Wer rastet, der rostet.“ – Das hat Ludwig Reimann nun überhaupt nicht vor. Und so reiht sich in dem Buch Episode an Episode eines sehr ausgefüllten Lebens, das mit einem oft zitierten Satz zu umschreiben ist: „Rentner haben niemals Zeit“.

Das alles zu lesen, wie sich Ludwig den täglichen Herausforderungen mit Witz und Charme stellt, lässt den Leser schmunzeln, stimmt ihn nachdenklich und regt ihn vielleicht auch an, sich „Luwi“ mit seinen Lebenserfahrungen in der einen oder anderen Situation als Vorbild zu nehmen. Beim Thema Lebensmut und Lebenszuversicht auf alle Fälle, denn das gelingt dem Autor Siegfried Noack sehr gut in der Darstellung.  

Mit seiner Frau Christel ist Siegfried Noack seit 65 Jahre verheiratet

Lebensmut und Lebenszuversicht haben ihn auch im eigenen Leben nie verlassen, auch wenn sein Leben von sehr vielen Wendungen geprägt war: 1931 im damaligen Stettin geboren, mit 24 nimmt er sein Leben in die eigenen Hände, verlässt die väterliche Landwirtschaft, kommt nach einigen Tagen im ehemaligen Westberlin wieder zurück, um unweit von Neubrandenburg eine junge Frau, Christel, kennenzulernen, mit der in diesem Jahr 65 Jahre verheiratet ist.

Siegfried beginnt nach seiner Rückkehr in einem Neubrandenburger Baubetrieb, beteiligt sich an einem literarischen Wettbewerb und schreibt sein erstes Stück „Schwarzer Freitag“, das im Berliner Henschel Verlag erscheint. Der Autor fühlt sich vom damaligen „Bitterfelder Weg“ inspiriert, der Arbeiter zum Schreiben anregt. Er schreibt weiter, der Schriftstellerverband wird auf ihn aufmerksam, delegiert ihn zum Fernstudium ans Leipziger Literaturinstitut.  

Vieles was Witwer Luwi widerfährt, hat Autor Noack miterlebt

In den folgenden Jahrzehnten entstehen Bücher wie „Alberts großer Coup und weitere Dorfgeschichten“, das Kinderbuch „Moppel-Haas und Mümmel Jette“, Novellen „Sie tanzte nur diesen Sommer“, Der „Witwer Luwi“ ist schließlich sein fünftes Buch. „Vieles von dem, was Witwer Luwi widerfährt, habe ich gehört, miterlebt und dann literarisch verdichet“, erzählt Siegfried Noack.  

Aktuell arbeitet er an verschiedenen Manuskripten: an einer Gedicht-Sammlung, Kindergeschichten, schreibt Aphorismen… – So ist er wenige Monate vor seinem 90. Geburtstag wie sein „Held“ Ludwig Reimann, der auch keine Ruhe kennt. Sie wissen ja, „wer rastet, der...“    Eckhard Behr 

 

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